Das nenne ich Chuzpe!!

Chuzpe: Aus dem Jiddischen – Mischung aus zielgerichteter Unverschämtheit und intelligenter Dreistigkeit

Seit Jahren – genau gesagt seit Januar 2013 - weiß das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, daß das Rathaus Friedenau leer gezogen werden muß: Dort wird das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen einziehen. In diesem Zusammenhang hat das Bezirksamt dem Berliner Immobilienmanagement (BIM) zugesagt, das Gebäude leer zu übergeben.
Die Umbauarbeiten werden Ende 2015 beginnen – leer ist das Gebäude aber nicht!
Die Gerhart-Hauptmann-Bibliothek ist immer noch im Erdgeschoß des Rathauses untergebracht.
(Bezüglich des Verbleibs im denkmalgeschützten Schlesiensaal – nach den Umbauarbeiten – für das Theater Morgenstern und den Tanzclub Blau-Silber wird noch verhandelt.)  


Aber die Bibliothek hat bislang keinen neuen Standort gefunden – nachdem die rot-grüne Zählgemeinschaft im Bezirk die Anmietung des leeren Hertie-Kaufhauses am Kaiser-Wilhelm-Platz mit Verzögerungstaktik und Argumenten aus der sozialistischen Mottenkiste („Wir mieten nicht von am Profit orientierten kapitalistischen Investoren“ u.ä.m.) verhindert hat. Leerstehende, für eine Bibliothek geeignete Immobilien waren lt. mehrfacher Aussage des Bezirksamtes weder in Friedenau noch in Schöneberg zu finden. Jetzt wurde – „plötzlich und unerwartet“ - ein Gebäude des Nachbarschaftsheims Schöneberg in der Handjerystraße 43/44 „entdeckt“. Der Bezirksunterausschuß „Bibliotheken“ soll objektiv prüfen, inwieweit sich das Gebäude für eine Bibliothek eignet. Von der SPD Friedenau wurden aber auch bereits Fakten geschaffen: Das Gebäude wurde begangen, die Statik des Gebäudes wurde geprüft, Friedenauer Bürger/innen werden mit Info-Postkarten zur Unterschriftensammlung aufgefordert, um das Vorhaben zu unterstützen - es werden Hoffnungen geweckt!
Eine Kinder- und Jugendbibliothek soll dort einziehen.

Die Einrichtung einer Bibliothek ist eine wünschenswerte Sache – aber bei genauerer Betrachtung erscheint es zweifelhaft, ob dieser Standort geeignet ist: Die Bibliothek soll im Keller und ein bis zwei Räumen im Erdgeschoß eingerichtet werden. Die Räume sind vereinzelt, vom Treppenhaus voreinander getrennt und nicht verbunden. Das bedeutet von vornherein einen erheblichen Personalaufwand für die drei Räume. Hier spricht die rot-grüne Zählgemeinschaft schon das „bürgerschaftliche Engagement“ an und hofft auf ehrenamtlich tätige Ausleihkräfte; die Kosten sollen kleingerechnet werden. Das Konzept einer reinen Kinder- und Jugendbibliothek ist fachlich veraltet. Was ist mit den Erwachsenen – wird auch an die Senioren gedacht? Von den Kosten für den Umbau und die Einrichtung, die  behindertengerechten Zugänge usw. sowie den zu erwartenden laufenden Kosten (Miete, Verbrauchskosten, Personal usw.) ist bislang nichts zu hören. Und das Ganze vor dem Hintergrund, daß die Bürgermeisterin eine Haushaltssperre für 2015 verfügt hat und Tempelhof-Schöneberg Gefahr läuft, Ende 2015 ein veritables Haushaltsdefizit zu haben.
Ich halte diese Politik für unseriös – sie ist spekulativ, basiert auf tönernen Füßen und weckt  nicht fundierte Erwartungen bei den Bürgern. Damit tut die rot-grüne Zählgemeinschaft weder sich und schon gar nicht den Friedenauern einen Gefallen. 

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