Rund 78.000 mal pro Jahr werden Menschen in Berlin Opfer einer Gewaltstraftat. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Aber nur 10 Prozent der Opfer von Straftaten nehmen eine Hilfe in Anspruch. Insbesondere bei häuslichen oder sexuellen Übergriffen finden Opfer oft erst nach langer Zeit die Kraft, gegen den Täter aktiv zu werden. Zumeist sind Beweise dann aber schwer zu erbringen, die Taten z.T. schon verjährt.

Mit einer "Opferambulanz", die bevorzugt in einem Krankenhaus einzurichten ist, soll gewährleitet werden, dass die Verletzungen von Betroffenen rechtsmedizinisch dokumentiert werden. Dies geschieht unabhängig von einer Strafanzeige bei der Polizei. Die Untersuchung dient der Dokumentation von Verletzungen und sonstigen Beeinträchtigungen und gibt den Opfern Zeit, in Ruhe über weitere Schritte nachzudenken, ohne dass zwischenzeitlich Beweise verloren gehen. Eine Opferambulanz ist also ein ergänzendes Angebot zu den bestehenden Notfallambulanzen in Krankenhäusern, die ihrerseits für gerichtsmedizinische Untersuchungen in der Regel nicht ausgestattet sind.   

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Opferambulanzen unterliegen der Schweigepflicht. Allein der/die Betroffene bestimmt, wie die Untersuchungsergebnisse verwertet werden. Nur auf ausdrücklichen Wunsch der untersuchten Person dürfen die erhobenen Befunde an andere Stellen (Polizei, Rechtsanwalt des Opfers) weitergegeben werden. Die Untersuchung sowie die gerichtsverwertbare Befunddokumentation sollen kostenlos erfolgen.

In eingen Städte, wie z.B. Saarbrücken, gibt es bereits eine Opferambulanz. Für Berlin ist eine vergleichbare Einrichtung im Koalitionsvertrag von SPD und CDU vorgesehen, aber noch längst nicht etabliert. 

Die CDU-Fraktion hat daher das Bezirksamt aufgefordert, sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass in einem der drei Krankenhäuser in Tempelhof-Schöneberg, Berlins drittgrößtem Bezirk,  eine Ambulanz für Gewaltopfer eingerichtet wird.

Der entsprechende Antrag wird im Januar im Ausschuss für Gesundheit beraten.

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