CDU-Info
Rundbrief der CDU Tempelhof-Schöneberg
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Mai / Juni / Juli 2007
Aus dem Rathaus
Ralf Olschewski:
Rodungsaktion in Schöneberger Grünanlagen

Welche Aufgaben hat ein Grünflächenamt - Grünpflege oder sinnlose Abholzungsaktionen? Nimmt man sich den Bezirk Tempelhof–Schöneberg als Beispiel, scheint dort eher die Meinung vorzuherrschen: Wo keine Bäume und Sträucher mehr sind, ist die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter geringer und das Geld für Grünpflege kann eingespart werden. Vieles ist in unserem Bezirk nicht mehr erklärlich.

Lassen Sie mich nur 4 Beispiele anführen:

1. Nelly-Sachs-Park an der Dennewitzstraße: Völlig überraschend für die Anwohner wird ohne Bürgerbeteiligung in einem erst knapp 20 Jahre alten Park eine 15 Meter breite Schneise geschlagen, um einen angeblich 4 Meter breiten überregionalen Fahrradweg zu bauen. Im Rahmen der Diskussion stellt sich heraus, dass die überregionale Fahrradverbindung durch den künftigen Gleidreieckspark führen wird. Der bei diesem Thema engagierte Bezirksverordnete Alexander Gühloff ist sich mit 200 empörten Anwohnern einig, dass dies ein Schildbürgerstreich ist. Nun wird als Grund für die Aktion eine fast 8 Jahre alte Planung von 1999 herangezogen, in der die Wiederbelebung der alten Sichtachse auf die Lutherkirche angeführt wird. Die Nachfrage in der letzten BVV, "ob das Bezirksamt zur verbeserten Wahrnehmung der Sichtachse auch die Hochbahntrasse demontieren möchte", löste allgemeine Heiterkeit aus, wirft aber ein entsprechendes Schlaglicht auf die völlig absurde Argumentation des Bezirksamtes. Die Zerstörungsmaßnahme wird mit mehreren 100.000 EUR durch den Senat finanziert.

2. Cosimaplatz in Friedenau: Der gesamte Innenbereich dieser Platzanlage wurde gerodet. Die Heckeneinfassung, die den Charakter des Platzes ausmacht, wurde durch Gras ersetzt. Auch im äußeren Ring planloser Kahlschlag bei Bäumen und Sträuchern. Bürgerbeteiligung auch hier ein Fremdwort. Ist dies vielleicht ein vorweggenommener Beitrag des Bezirksamtes zum Klimawandel – Steppengras in Friedenau?

Rudolf-Wilde-Park
Rudolf-Wilde-Park

3. Rudolf-Wilde-Park am Rathaus Schöneberg: Auch hier wurden vollendete Tatsachen geschaffen. Nachdem 2 Trauerweiden im letzten Jahr vor der Abholzung gerettet werden konnten, wurden Sie dieses Jahr so beschnitten, dass sie als Weiden kaum noch zu erkennen sind. Der Baumzuschnitt der Platanen am Hirschdenkmal hat ebenfalls bei den betroffenen Anwohnern nur Kopfschütteln ausgelöst. Diesmal dient die Denkmalpflege als Begründung. Nach der Sanierung des U–Bhf. Schöneberg soll der Bahnhof auch zu erkennen sein. Ein Argument, das die Bezirksverordneten seit Jahren kennen, aber gemeinsam mit dem Bezirksamt ignoriert hatten. Vielleicht sollte sich der Denkmalschützer mehr um die Beseitigung der Graffiti–Bemalung am Bahnhof statt um die Beseitigung von Bäumen kümmern. Die Menschen in Schöneberg werden es ihm danken.

4. Kleistpark: Auch hier wird versucht, mit Gartendenkmalschutzargumenten neue Eingänge zu schaffen und einen völligen Umbau zu erreichen. Es wurden zum Glück noch keine vollendeten Tatsachen geschaffen, aber es erfolgt ein ähnliches Argumentationsmuster wie am Nelly-Sachs-Park. Zieht das Argument des Denkmalsschutzes nicht mehr, werden neue Argumente angeführt. Um was geht es also wirklich?

Im Ausschuss für Umwelt, Natur und Verkehr am 26.03.2007 erklärte der Stadtrat auf die Nachfrage, ob Nachpflanzungen für Hölzerrodungen geplant sind: "Ersatzpflanzungen sind immer geplant, sofern die finanziellen Mittel dies hergeben". Erst werden mit öffentlichen Mitteln teure und unbrauchbare Prestigeobjekte gefördert, gleichzeitig fehlen die Mittel zum Nachpflanzen von Straßenbäumen. Hier werden die Schwerpunkte falsch gesetzt. Dieses Jahr hat uns das Grünflächenamt mit seinen Maßnahmen überrascht, so dass wir nur noch nacharbeiten können. Alexander Gühloff und die ganze Fraktion werden dem zuständigen Stadtrat Schwork (SPD) ausreichend Druck machen, damit 2008 nicht ein ähnliche Aktion passiert.

Ralf Olschewski
Bezirksverordneter und Fraktionsvorsitzender

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